Auswärtsfahrt nach Gelsenkirchen am 28.10.2017

Auswärtsfahrt nach Gelsenkirchen am 28.10.2017

Nach meist sehr sachlichen Berichten folgt nun ein recht subjektiver Erfahrungsbericht von unserer Tour nach Schalke. Der Autor möchte explizit darauf hinweisen, dass Teile der Erzählung überzeichnet sein können. Alkohol ist eine gefährliche Droge und es soll keinesfalls der Eindruck entstehen, dass der übermäßige Konsum dieser Drogen zu verharmlosen ist!
5:30 Uhr – halb 6: Der Wecker klingelt. Zu einer Uhrzeit, die mich unter der Woche in meinem Studentenalltag höchstens ans zu Bett gehen erinnert hätte, bin ich am Wochenende mal wieder unterwegs zum Fußball. So sehr ich mich in den vergangenen Wochen wieder an solche Uhrzeiten gewöhnt habe, so unangenehm ist das Weckerklingeln für meine Freundin, die am Wochenende regelmäßig neben mir liegend „versucht“ lange zu schlafen. Ich habe dagegen noch einen längeren Weg vor mir: Als Exilant toure ich jede Woche eine Stunde nach Wolfsburg, um von dort aus weiter zu den jeweiligen Spielen zu fahren. So wird aus einer recht kurzen 3-Stunden-Tour nach Schalke ein langer Tag.
Auf dem Weg zum Bahnhof meines Wohnortes springe ich in den einzigen Bäcker, der samstags um halb 7 geöffnet hat und hole mir einen Kaffee und ein Brötchen. Während ich in den Zug steige, fühle ich mich wie einer dieser Geschäftsreisenden, stets gestresst und ewig genervt von den unmenschlichen Aufstehzeiten. Ich nehme einen Schluck aus meinem Kaffeebecher und schlage das mitgebrachte Buch auf. Gar nicht so asozial, denke ich.
Zeitsprung: Der Zug hält in Wolfsburg. Den leeren Kaffeebecher habe ich schon im Zug entsorgt, jetzt stecke ich mein halbes restliches Brötchen für schlechte Zeiten ein und tausche mein Buch gegen den Seidenschal. Kaum bei den anderen Meilenwölfen am Bus angekommen, ploppen die ersten Kronkorken. Eben noch das ernstzunehmende Shirt gegen ein VfL-Shirt getauscht und schon kann es losgehen.
Ein Bus voller Meilenwölfe verlässt die heimische Arena auf dem Weg nach Schalke. Wenige Minuten nach Beendigung meiner wundersamen Metamorphose bin ich mittendrin und trinke die erste Cola – ziemlich süffig und brennt im Abgang… Egal, laut des Trinkspiels muss ich in den kommenden Minuten meinen Becher noch 37 mal leeren und neu befüllen und genauso fühle ich mich im Anschluss auch. Beim nächsten Stop werden nicht nur 50 Blasen kollektiv entleert, sondern es versuchen auch einige ein Straßenschild zu entwurzeln. Trotz meines Zustandes halte ich eine flammende Ansprache für die Ordnung des Systems und Rousseaus Traum von kollektiver Sicherheit innerhalb fester Staatsgefüge unter der nur marginalen Aufgabe von Freiheiten. Was sich in meinem Kopf wie die Grundsatzrede eines neuen politischen Aktivismus anhört, klingt letztlich eher wie das Stammeln eines obdachlosen Alkoholikers auf dem Supermarktparkplatz. Letztlich bleibt das Schild trotzdem stehen, Jean Jaques Rousseau sei Dank!
Erinnerungslücke: Arena auf Schalke, ich komme zu mir. Die Uhr zeigt 89:12 und es steht 1:0 für den Gastgeber. Während ich über die verfrühte Wiedererlangung meines Bewusstseins fluche, stochert der (so sagte man mir) eingewechselte Origi den Ball irgendwie an allen Schalkern vorbei ins Tor. Extase im annehmbar gefüllten Gästeblock. Plötzlich hatten wir ausgeglichen und einen recht glücklichen, wenngleich verdienten Punkt aus Gelsenkirchen mitgenommen. Bei unserer schauderhaften Bilanz gegen Königsblau ein großer Erfolg!
Als wir zurück zum Bus laufen, erzählen mir meine Freunde vom Spielverlauf genauso wie von meinen Aktionen während meines offensichtlichen Deliriums.
Der Bus setzt sich in Bewegung und – wie üblich für eine Rückfahrt – schlafen manche ihren Rausch aus, andere erzählen und wieder andere schmieden Pläne für den späteren Abend. Da ich überwiegend ersteres praktiziere, folgt hier eine Aufzählung von Dingen, die – meiner Erinnerung nach – NICHT stattgefunden haben: laute Musik, Grölereien, Alkoholexzesse, nasse Hosen an der Glasscheibe. Gegen 23 Uhr erreichen wir Wolfsburg und eine erfolgreiche Auswärtsfahrt wird offiziell beendet. Mit Mühe erreiche ich den letzten Zug des Abends nach Hause und gegen 1 Uhr nachts liege auch ich schlussendlich in meinem Bett. Leute: Es war mir eine Ehre!

Meilen: 398 Saison gesamt: 3086