Zu Gast im Schwarzwaldstübchen am 07.04.18

Zu Gast im Schwarzwaldstübchen am 07.04.18

Freiburg, 17:24 Uhr: Ein voller Gästeblock jubelt. Der erhoffte Befreiungsschlag setzt fast vergessene Emotionen frei. Doch ich muss früher anfangen:

4:00 Uhr. Viieer Uhr. Morgens. Der Wecker klingelt. Ich mache ihn aus, denn ich sitze bereits einige Minuten senkrecht im Bett. „Dieser Tag hat das Potenzial besonders zu werden“, denke ich. Erwartungsfroh ergänze ich meine Tasche für Auswärtsspiele durch eine kurze Hose. Nach dem üblichen Morgenritual und dem Einsammeln meines Mitfahrers steht der Weg nach Wolfsburg zum Treffpunkt an. Unterwegs warnt uns der Temperaturfühler des Autos vor möglichem Frost, welchen wir dank Sitzheizung jedoch im Innenraum nicht fürchten müssen. Dennoch bin ich glücklicher über meine Outdoorjacke im Gepäck als über meine kurze Hose.

Um 6:15 Uhr treffen sich 18 Personen – Meilenwölfe und jene, die es noch werden wollen – in Fallersleben und verteilen sich auf die beiden vollgetankten Bullis. Die Stimmung ist der Uhrzeit entsprechend noch recht verhalten, nur ich habe – mal wieder als einziger – schon richtig Bock. Beim Einsteigen realisieren wir, dass insgesamt rund 14 Stunden auf der Bahn vor uns liegen und unser Getränkevorrat doch recht begrenzt scheint. Um 7 Uhr morgens muss der erste Hopfensmoothie dran glauben und in den folgenden Stunden sammeln sich einige Liter an Kaltgetränken in unseren Blasen, welche demnach regelmäßig entleert werden müssen. Ansonsten wird die Fahrt mit neuen Instagram-Stories, Tippscheinen und den üblichen Gesprächsthemen gefüllt.

Als wir gegen 13:30 Freiburg erreichen, begleitet uns die Speerspitze der Staatsgewalt in Zivil durch die ganze Stadt bis direkt vor den Gästeblock. Mittlerweile sind es sonnige 25 Grad und die kurze Hose macht sich voll und ganz bezahlt. Eben noch mit den teilweise fehlenden Tickets versorgt und unseren ansässigen Kontakt eingesammelt, steht der Weg in den wahrscheinlich außergewöhnlichsten Gästeblock der Liga an. Trotz schlechter Sicht und fehlender Überdachung, obwohl Sanitäranlagen und Verpflegungsstände baufällig wirken, versprüht das Stadion einen ganz besonderen Charme, welcher jeden Zuschauer sofort packt. Zu unserer Verwunderung ist der Gästeblock – genau wie das restliche Stadion – vollständig ausverkauft und rund 800 Wolfsburger werden durch fast ebenso viele Touristen ergänzt. Trotz allem ist die Stimmung durchweg gut. Einige Touristen beteiligen sich sogar am Support und vielleicht hat der eine oder andere heute eine neue Leidenschaft entdeckt.

Das Spiel hat kaum begonnen, da können die Fans auch schon etwas ungläubig die Führung feiern. Ein Tor! Für uns! Zu einem taktisch guten Moment! Ungeahnte Emotionen schon nach zwei Minuten. Die folgende erste Halbzeit ist zwar arm an Höhepunkten, worüber die Pausenführung aber perfekt hinwegtäuscht. In einer ähnlich ereignisarmen zweiten Halbzeit kann sich letztlich das etwas bessere Team in Grün und Weiß ein weiteres Mal durchsetzen und jubeln. Als in der Nachspielzeit ein recht diskutabler Elfmeter noch von Koen Casteels entschärft wird, gibt es kaum ein Halten mehr! Mir persönlich war das Gefühl eines Sieges schon fast so fremd, dass es sich an diesem Tag so begab, dass wir den Sieg mit einer originalen Schwarzwaldmilch feiern konnten.

Mit diesem Gefühl und endlich einmal drei Punkten in der Tasche konnte dann der ebenso lange Rückweg angetreten werden. Noch freudestrahlend konnten wir die anderen Verkehrsteilnehmer an unserem Glück teilhaben lassen. Nach einer ausgiebigen Pause beim Burger-Adel konnten wir die restliche Strecke problemlos hinter uns bringen und Wolfsburg gegen 2 Uhr erreichen.

Letztlich bleibt Freiburg ein gutes Pflaster für unseren Verein für Leibesübungen. Mit dem 5. Auswärtssieg in Freiburg in Folge konnten 3 ganz wichtige Punkte gesammelt und etwas Platz zwischen sich und die Verfolger gebracht werden. In den kommenden Wochen gilt es nun den positiven Trend zu bestätigen und nachzulegen. Doch als ich mich 24 Stunden nach dem Aufstehen wieder ins Bett lege, habe ich erstmals seit langem das Gefühl, dass wir den Klassenerhalt aus eigener Kraft erreichen können. Wir werden dafür alles geben!

 

Meilen: 790

Saison gesamt: 8354