Euro-League-Spiel in St. Etienne am 03.10.2019

Euro-League-Spiel in St. Etienne am 03.10.2019

12.04.2016: Der VfL spielt das letzte Mal auswärts auf der internationalen Bühne und muss eine bittere 3:0 Niederlage in Madrid einstecken und was man damals schon erahnen konnte, weil die Formkurve schon leicht nach unten zeigte: Es sollte für lange Zeit keine solchen fußballerischen Leckerbissen für die Fans der Wölfe geben. 1233 Tage und ein paar Spielzeiten, die absolut grauenvoll waren später, bescherte uns die Losfee der UEFA drei äußerst attraktive Lose, zumindest was Auswärtsspiele angeht. Eines davon war St. Etienne und nachdem alle Kugeln aus dem Topf gezogen wurden, begannen auch die Planungen für alle Spiele. Die Planungen für Gent wurden direkt zur Seite geschoben. Da kommt man schon irgendwie hin. Die Flüge nach Lwiw gebucht, weil der PFK Oleksandriya auf kyrillisch irgendeinem dahergelaufenen Ukrainer getwittert hat, dass das Spiel dort stattfinden wird. In der Hoffnung, dass es stimmt (und mittlerweile weiß man ja sicher, dass es stimmt) wurde zu einem günstigen Kurs die Reise in die Ukraine gebucht. Die Reise nach Frankreich klingt auf dem ersten Blick erstmal gar nicht so schlimm: Doch leider liegt St. Etienne irgendwo im französischen Nirgendwo und dadurch gestalteten sich die Reiseplanungen mehr als schwierig. Billigflieger waren so gut wie gar nicht vorhanden und somit war ich froh über das Angebot der Meilenwölfe, die sich mit mehreren Bullis auf den Weg machen wollten. Gesagt, getan. Irgendwann war es dann tatsächlich soweit und wir versammelten uns an bekannter Stelle, um von dort aus gen Frankreich aufzubrechen. In diesen Momenten wünsche ich mir jedenfalls, dass ich mir stressfreiere Hobbys ausgesucht hätte, als 1111km mitten in der Nacht über die Autobahn zu düsen. Naja egal. Es gab kein Zurück mehr und es hatten sich glücklicherweise noch weitere verrückte Menschen gefunden, was das Ganze dann doch erträglicher machte. Unsere Sitzreihe knallte sich mitten in der Nacht ein paar alte Fußballspieler a la Edmond Kapllani ins Gesicht und ein paar Raketen der Firma Astra flossen unsere Kehlen hinunter. Das war durchaus lecker und an dieser Stelle liebe Grüße an alle Fußballspieler in den letzten 20 Jahren, die nicht wirklich viel gerissen haben. Es gibt jedenfalls so viele, dass man eine 14-stündige Autofahrt damit füllen könnte, wenn der Rest nicht irgendwann einschlafen würde. Erfreulicherweise ist der Fahrer nicht eingeschlafen und somit wurde die Anzahl der nicht schlafenden Personen auf 2 erhöht. Nicht so erfreulich war leider die Wahl meines Sitzplatzes, denn ich fand mich in der Mitte zweier Personen wieder, die in etwa so viel auf die Waage bringen, dass das Maximalgewicht eines Fahrstuhls vermutlich durch uns drei schon erreicht ist. Der morgendliche Stau rund um Lyon ließ mich dann doch auch nochmal eine halbe Stunde einschlafen und als ich aufgewacht war, grüßte uns das Ortseingangsschild von St. Etienne. 1A! Endlich angekommen! Die Stadt machte jedenfalls einen ganz sympathischen Eindruck und das war dann doch durchaus überraschend, da ich nicht sehr viel positive Rezensionen über die Stadt gelesen hatte. Schön, dass es dann doch nicht so war… Noch ein paar Stunden im Hotel geschlummert und danach auf direktem Weg zum Treffpunkt und schon auf diesem kurzen Fußmarsch ein paar bekannte Gesichter getroffen. Irgendwann sind wir dann am Platz des Treffpunktes angekommen, ich habe leider keine Ahnung mehr, wie er heißt. Ist aber auch egal, denn wir sind ja trotzdem dort angekommen. Dort gab es eine nette Kneipe und da der Wettergott es gut mit uns meinte, konnten wir unsere Getränke sogar an der frischen Luft konsumieren. Der Dönermann nebenan konnte sich auch über eine klingelnde Kasse freuen und verkaufte sehr viele Döner, Dürüms und Köfte-Paninis. Ehrenmann! War zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber Eier hat er ja auch nicht verkauft und somit war sein Angebot mehr als zufriedenstellend. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. Eier zeigen sollten am Abend dann unsere Wölfe, weshalb wir überhaupt erst hierher gefahren sind. Vergisst man ja manchmal, wenn man in der Kneipe sitzt und plötzlich alle losgehen wollen. „Wohin?“ „Achja, ins Stadion!“ lol LOL wurde als Abkürzung für laughing out loud erstmals in den 1980er Jahren verwendet. Im Usenet verfasste der Benutzer Wayne Pearson eine Nachricht, die das Wort LOL beinhaltete. Die Abkürzung wird häufig in E-Mails, SMS-Nachrichten, Computerspielen und Chats verwendet. Daneben hat es sich auch als Bestandteil der Jugendsprache etabliert. 2011 wurde der Begriff in das Oxford English Dictionary aufgenommen. (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/LOL) Davon mal abgesehen, brachten uns die Shuttlebusse in Richtung Stadion. Hierfür wurden ganze Straßen und eine Autobahn für uns gesperrt bzw. auch für die etlichen Polizeiautos, die uns sicher ans Ziel bringen wollten, da die heimische Fanszene anscheinend nicht sehr viel Spaß versteht. Hinzu kommt, dass die anderen Grün-Weißen eine absolut bescheidene Saison spielen und eventuell nicht sehr gut gelaunt sind, wenn ihr Lieblingsverein mal wieder spielt. Glücklicherweise hielten sie die Füße still und wir sahen uns erst im Inneren des Stadions. Zwecks Lautstärke wollten sich unsere Fans in den Oberrang stellen in der Hoffnung, dass niemand etwas dagegen hat. Spoiler: Es hatte jemand etwas dagegen und so ging es relativ fix wieder nach unten auf die angestammten Plätze. Zum Gegner: Der AS St. Etienne ist einer der größten Traditionsvereine in Frankreich und ohne jetzt dafür zu recherchieren sind sie meines Wissens auch französischer Rekordmeister. Der letzte Erfolg liegt jedoch schon einige Jahre zurück, weshalb Spiele in der Europa League schon ein kleines Highlight darstellen. Die Fans sind auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Zumindest dann, wenn man sich für diese Themen etwas mehr interessiert, als der normale Fan und somit war nach der Auslosung bei mir direkt eine gewisse Vorfreude auf dieses Spiel zu spüren. Ungewöhnlich sind sicherlich zwei separate Fankurven, die auch nur selten gemeinsame Lieder anstimmten. Jedoch war es schon sehr beeindruckend, wenn sie es taten. Von der Fankurve gegenüber hat man leider nicht sehr viel mitbekommen, was einerseits daran lag, dass wir auch ein paar Fangesänge in das weite Rund schmetterten. Andererseits lag es an der Sangesfreude der Franzosen, die direkt neben uns standen und ebenfalls eine respektable Lautstärke erreichten. Zwischendurch fand noch ein ereignisarmes Spiel statt, in dem doch zwei Tore gefallen sind. William brachte uns mit seinem Kopfball nach einer Flanke in gewohnte Ergebnisbereiche, denn es war das 1:1 und das kam diese Saison schon etwas häufiger vor. Im Gästeblock freute man sich trotzdem und danach ist nicht mehr viel passiert, außer des Pfiffes zur Halbzeit, des Anpfiffs zur zweiten Halbzeit und des Abpfiffs des Spiels. Leider mussten wir, wie es in internationalen Spielen üblich ist, noch ein bisschen auf unseren Plätzen verweilen, bis alle Franzosen das Stadion verlassen hatten. Gut, dass anscheinend alle einen anstrengenden Tag hinter sich hatten und relativ schnell nach Hause gefahren sind. So konnten wir relativ schnell wieder in die Kneipe gehen, in der wir auch schon am Nachmittag waren. Jedoch steckte auch bei uns die Müdigkeit in den Knochen, weshalb zumindest ich nicht damit rechnete, dass noch irgendwas passieren würde. Mit dieser Vermutung lag ich leider mehr als falsch. Oder zum Glück. Es entwickelte sich nämlich wider Erwarten noch ein Abend, der für alle, die an diesem Abend die Wahl getroffen haben noch einmal in die Kneipe zurückzukehren, komplett legendär wurde. Irgendwann war bei den Menschen Aufbruchstimmung ausgebrochen, ich hatte schon meine Jacke an und bin nur nochmal kurz auf die Toilette gegangen. Währenddessen muss irgendetwas in diesem Laden passiert sein. Denn es ist gute Laune ausgebrochen, Malle-Hits anstatt französischer Lieder schallten plötzlich durch die Lautsprecher und es wurden noch einige Getränke heruntergespült. Irgendwann standen zwei dubiose Menschen vor der Tür, bei denen sich erstmal herausstellte, dass sie doch ganz nett waren. Am Ende waren sie doch nicht nett und warfen dem Besitzer irgendwelche Beleidigungen auf Französisch an den Kopf. So viel habe ich jedenfalls verstanden, was schon einiges bedeutet, wenn die anderen Vokabeln, die man noch drauf hat, sonst nur Fromage, allez les bleus, Florent Malouda und Peugeot 206 sind. Dafür vielen Dank an alle meine Französisch-Lehrer in meiner Schullaufbahn. Jedenfalls hatte der Besitzer dann keine Lust mehr und hat leider seinen Laden geschlossen, was im Nachhinein gar nicht so schlecht war, da es nur noch wenige Stunden bis zur Rückfahrt waren und jeder sicherlich noch ein paar Stündchen schlafen wollte. Deshalb auch ein dickes Dankeschön an die pöbelnden Menschen, die uns noch halbwegs rechtzeitig ins Bett geschickt haben. Am nächsten Morgen mit einem gewaltigen Kater und einem dicken Frosch im Hals aufgewacht. Kleiner Fact für zwischendurch: Der Franzose sagt nicht, er hätte einen Frosch im Hals, sondern eine Katze. Die Franzosen liegen da in unserem Fall vermutlich näher an der Wahrheit, denn zumindest ich hatte eher 23 Elefanten im Hals, die mit einem kräftigen Schluck Wasser aber alle in Frankreich geblieben sind. Die Rückfahrt verging dann wie im Flug und es wurde noch eine kleine Burgerpause in Heidelberg eingelegt. Diese waren auch noch einmal überragend und rundeten die Fahrt noch einmal ab. Ein paar Chaoten kamen noch auf Idee das Spiel der Grizzlys bei den Adlern aus Mannheim zu besuchen. Schön, dass sie sich nicht durchgesetzt haben und wir Wolfsburg noch zu einer humanen Zeit wieder erreichten. Von dort ging es dann für alle nach Hause und ins Bett!

Meilen: 1384